Indien 2009/10

Am 12. Dezember 2009 bin ich wieder zurück in Indien.

Ich finde meine lieben alten Bettler-Freundinnen wie immer am Straßenrand vor dem Ramana-Ashram und wir freuen uns über das Wiedersehen. 30 Witwen haben das ganze Jahr pünktlich am 10. des Monats ihre “Pension”  ausgezahlt bekommen.

Was gibt es Neues? Padmavathi kann nicht mehr fegen, sie hat große Schmerzen in den Knien und sitzt jetzt oft bei ihrer Freundin, der Kokosnußverkäuferin. Chintai, die Leprakranke, kommt nicht mehr jeden Tag, sondern bleibt oft bei ihren Töchtern im Dorf. Kuppu ist in großer Trauer. Sie hat ihren Partner vor einem Monat verloren und ist jetzt zum 2. Mal Witwe geworden. Patchemal sitzt wie immer am alten Platz . Unnamalai ist wieder ein wenig kleiner und dünner geworden.

Mit Manoharan besuche ich in den nächstenTagen Witwen in den Dörfern rings um Tiruvannamalai, wo viele Witwen mit ihren Kindern in großer Not und Armut leben. Was ich dort in den nächsten Tagen sehe, verschlägt mir die Sprache. Die Dächer der bescheidenen Hütten sind undicht, die Mauern eingefallen oder waren noch nie vorhanden, der Regen läuft über den Lehmboden und Betten sind keine vorhanden. Hier leben z.T. 3 Generationen von Frauen, oder einzelne Witwen mit mehreren Kindern, die oft stark behindert oder gelähmt sind.

Immer mehr Witwen, jetzt auch Feldarbeiterinnen aus den Dörfern werden für die monatlichen Pensionszahlungen registriert, d.h. bekommen einen Ausweis mit ihrem Foto. Außerdem wollen wir mit Spendengeldern die unbewohnbaren Hütten reparieren.

Die Renovierungsarbeiten  an den ersten sechs Häusern werden sofort begonnen und zügig durchgeführt. Die nächsten drei Häuser anschließend in Angriff genommen. Kurz vor meiner Abreise finden wir noch einmal zwölf weitere Häuser, die in den nächsten Wochen gründlich renoviert werden sollen, so dass am Ende 21 Witwenhäuser mit dichten Dächern und Mauern fertiggestellt sein werden. Der Zustand der Häuser ist verschieden. Einige müssen nur neu gedeckt werden mit Ziegeln oder Palmblättern, andere sind im Zustand von Ruinen, unbewohnbar, und müssen abgerissen und neu gebaut werden. Der Durchschnittspreis für ein Haus beträgt ca. 160 Euro.  Alle Arbeiten werden von Arbeitern durchgeführt, die auch in diesem Dorf wohnen, so dass das ganze Dorf von den Bauarbeiten profitieren kann (Fotos von den verschiedenen Häusern, den Bewohnerinnen und den Bauarbeiten in der Fotogalerie)

Eine Woche vor meiner Abreise treffe ich Thilo, einen Dokumentarfilmer, der sofort Interesse an dem Witwenprojekt hat. Gleich am nächsten Tag geht es mit den Dreharbeiten los. Indische Collegestudenten interviewen 3 der Witwen: (siehe dazu auch den Bericht “Selvi”)

Alle drei Frauen nutzen wohl zum ersten Mal die Gelegenheit, mit fester lauter Stimme über ihr Schicksal in tamilischer Sprache zu sprechen und wir alle: Verheiratete Dorfnachbarinnen und Ehemänner, Kinder, Studenten und wir Ausländer verstehen ihre Worte, ihre Pausen und ihre Tränen…….. und sind tief berührt……….

Danaseger, der 15jährige Sohn von Satiavani bekommt noch ein besonderes Geschenk:

1500 Rupien für 2 weitere Monate College, einen Betrag, den er eigentlich schon längst hätte bezahlen müssen, um weiter am Unterricht teilnehmen zu können. Er kann noch nicht fassen, dass jetzt sein Schulbesuch am Montag weitergeht. Dank Eurer Spenden wird er diesen Betrag alle 2 Monate erhalten bis zum Ende des Studiums. (Der Film: “Und sie schaute mir direkt ins Herz… kann bei mir zur Ansicht entliehen werden.)

Das war Indien 2009/2010! Dank an Arunachala, den Shanthimalai Ashram, meine lieben Yogaschülerinnen, Freunde, Bekannte, Familienangehörige und Menschen, die einfach in ihre Kasse/Portmonnaie gegriffen haben, so dass insgesamt 21 baufällige Witwenunterkünfte in diesem Winter restauriert werden und 75 Witwen ihre Pension bekommen konnten.

Mögen alle Wesen glücklich sein, frei von Leid, frei von Bedrückung! Mögen sie alle glücklich sein, friedvoll und frei!

Om Shanti, Shanti, Shanti!!

Anna