Indien 2010/11

Wieder ist ein Jahr vergangen und ich war 2 Monate in Indien bei „unseren“ Witwen.
Es gibt eine Menge Neuigkeiten. Die größte und erstaunlichste ist, dass die Regierung von Tamil Nadu jetzt jedes Jahr 4 – 5 Palmblatthütten der Ärmsten in den Dörfern durch gemauerte Häuser mit einem stabilen Dach ersetzen will. Ich konnte das ja erst nicht glauben, habe aber mit eigenen Augen gesehen, wie neben den ärmlichsten Hütten ein kleines stabiles Haus entsteht.
Ich habe ja keine Ahnung, ob und wie das mit den 20 von uns im letzten Jahr renovierten Häusern zusammenhängt. Klar ist jedenfalls, dass liebevolle Gedanken und Taten wirklich etwas bewirken.

Die rund 3000 Euro, die im vergangenen Jahr von Euch gespendet wurden (durch Yoga, Spenden oder besondere Aktionen)  wurden jetzt jedenfalls nicht mehr für neue Häuser gebraucht, sondern waren frei verfügbar. Was tun damit?
Als Dr. Werner (Mitgründer von Shanthimalai) bei unserem ersten Treffen davon sprach, dass es keinen Platz gäbe, wo heimatlose Bettlerinnen in Frieden sterben können, sah ich sofort eine Frau unter Lumpen vor 8 Jahren vor mir, für die ich damals versucht hatte, einen Platz im Krankenhaus zu finden, wohl wissend, daß sie nicht krank war, sondern ganz einfach nur sterben wollte.

Alles war eigentlich sofort klar: Shanthimalai besitzt ein geeignetes Haus am Rand eines Dorfes. Seit einem Jahr istt es leer. Die Spinnweben waren sofort beseitigt, ein neuer Anstrich in der Farbe des Sonnenuntergangs (orange-rosa) und mehr Toiletten und ein Badezimmer werden gerade angebaut. Ab April 2011 soll  es „OM SHANTHI HOSPIZ“ geben: für 10 – 15 Frauen. 3 Witwen aus dem Dorf werden die Frauen rund um die Uhr betreuen.

Es wird kein Elendsquartier sein, sondern ein schönes Haus mit einem großen, grünen, blühenden Garten  für Frauen, die wir nicht kennen, deren Schicksal jedoch leicht unseres hätte sein können, wenn uns der Storch an einem anderen Ort der Welt abgesetzt hätte. Die Kosten für die inzwischen 82 Witwenpensionen, die monatlich ausgezahlt werden, und für den Unterhalt des Hospiz könnten getragen werden, wenn 200 von uns monatlich 5 Euro per Dauerauftrag einzahlen.
5 Euro Abzug von unserem Konto bemerken wir nicht. Für eine alleinstehende Frau in Indien ist es der Lebensunterhalt für einen Monat.
Eine besondere Freude war dieses Jahr, dass 6 meiner Yogaschülerinnen und Freundinnen aus Deutschland und 2 aus USA mein Angebot einer organisierten Indienreise angenommen haben und 14 Tage lang mit mir  Land, Kultur und Leute (d.h. die Witwen) kennen- und lieben gelernt haben. Für alle waren es herzöffnende Erfahrungen, die die Sicht auf das Leben  verändert haben und insgesamt eine erholsame, begeisternde Zeit.
Und vielleicht habt Ihr ja Lust mitzufliegen und selbst Eure indischen Schwestern kennenzulernen. Wie meine Freundin Abby aus Rochester/USA, die Lakshmi kennengelernt hat, deren Hausrenovierung sie im letzten Winter bezahlt hat. Abby und Lakshmi, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte, so vereint zu sehen, war eine bewegende Erfahrung für alle, die dabei waren.

Bleibt nur noch zu sagen, dass sich inzwischen der Status von alleinstehenden Frauen in Tiruvannamalai für mein Gefühl geändert hat. Es gibt keinen Protest mehr von Männern, wenn wir die Pensionen für die Witwen auszahlen. Und wenn ich Übersetzer brauchte, um mit den Bettlerinnen zu sprechen, dann hat sich kein einziger geweigert. Einige der Witwen  sind inzwischen, vielleicht aufgrund ihres regelmäßigen Einkommens von 250 Rupien,  von ihren Familien wieder aufgenommen worden und Selvi, die Ihr aus dem Bericht (und aus dem Film) kennt, wohnt mit ihren Kindern jetzt bei  einem Cousin ihres Mannes.
Herzlichen Dank für Eure Anteilnahme, Eure Zuwendung, Eure Zeit und wenn Ihr mögt für Eure Spende: 5 Euro im Monat ist wunderbar!
Vielleicht sehen wir uns bald alle zusammen in Indien.

Liebe Grüße von Anna