Indien 2015/16

Neue Nachrichten aus Tiruvannamalai im Januar 2016

Vielleicht hast Du ja gerade Lust und Zeit, ein wenig Indienluft zu schnuppern in diesen kalten Tagen in Deutschland. Also hier bin ich wieder aus Indien mit neuen Nachrichten aus Tiru von der Witwenfront.

Ich war ja bei meiner Ankunft hier in Indien durch meine Fußverletzung ziemlich ruhig gestellt. Dann kam eine Magen-Darm-Reinigung hinzu. Jetzt nach 3 Wochen Aufenthalt bin ich im ruhigsten Meditationsmodus gelandet und gut ausgeruht. Ich besuche die 25 Frauen im Old Age Home jeden Tag, sitze dann bei meinem Silent Swamiji eine lange Weile und schaue dann bei Shanthimalai Handicraft vorbei, um neue Ideen für die nächsten Spendergeschenke auszubrüten. Sonst sitze ich meist oben auf dem Dach und bade in der Energie von Arunachala. Silent Swamiji ist ein erleuchteter Yogi, wie man sich ihn genauso vorstellt: Er schweigt immer, hat lange Fingernägel und Haare und hat bis vor 2 Jahren im Berg in einer Höhle gesessen. Die Ruhe, die er ausstrahlt, ist unbeschreiblich und ansteckend. Jetzt lebt er in einem verwilderten Garten und wird von seinen Schülern versorgt. Wer möchte, verbringt einfach Zeit an seiner Seite sitzend, bekommt Essen wie er und genießt den großen Frieden, der von ihm ausgeht.

Ja, dieses Mal fühlt es sich noch wie Urlaub an, denn Manoharan hat alles total wunderbar erledigt und bleibt im Moment fast nichts mehr zu tun. Keine Ahnung, wie lange das noch so bleibt, denn wir haben schon wieder viele Pläne……. Leider klappt das Restaurant nicht, denn es haben um uns herum mehrere gutgehende Restaurants eröffnet und so sind wir leider etwas spät dran mit unseren Plänen.

Das neue Witwenhaus ist ein wahrgewordener Traum: Alles so perfekt und schön und die Frauen sind alle sehr glücklich und die Besucher auch. Manoharan hat mit diesem Paradies Wunder vollbracht. Ich verbringe jeden Tag eine gute Zeit mit den Frauen. Wir machen Sitzyoga, malen Mandalas, singen, spielen und gestern habe ich ihnen erstmals Mau-Mau-Spielen beigebracht. Egal, was wir tun oder nicht tun, wir sind einfach alle nur glücklich. Alle Besucher sind überrascht. Sie finden ein Haus vor mit vielen bezaubernden Frauen. Poona ist die Älteste, wir schätzen sie über 100 Jahre alt. Sie liegt winzig klein, dürr und hutzelig wie ein Kätzchen zusammengerollt auf dem Bett und schläft. Wenn sie wach ist, sagt sie intelligente Sachen auf Tamil und krabbelt dann in Richtung Küche, wo sie Unmengen Essen in sich hineinschiebt, ohne satt zu werden. Sie wurde vor 3 Monaten aus einer Rikscha ausgesetzt und dann zu uns gebracht. Sie ist auch in unserem Kalender 2016 zu sehen, wo sie zitiert wird: „Ich bin ein Superstar!“ (weil sie von Stefan, unserem Fotograf für den Kalender so oft fotografiert wurde.) Auch alle anderen Frauen haben ihre natürliche Würde und Schönheit bewahrt und strahlen jede auf ihre Art. Welch ein Unterschied zu den dunklen, feuchten Witwenhäusern in Varanasi, die ich im letzten Jahr besucht habe, wo die Frauen dumpf und ergeben nur noch auf ihren Tod warten.
Ich bin so dankbar, dass wir mit Eurer Hilfe so einen Unterschied machen können.

Gerade kämpfen wir um Annaimal. Ihr Schwiegersohn ist ein gewalttätiger Trinker und will sie auf die Straße zum Betteln schicken. Annaimal ist schwach und pflegebedürftig. Ihre Tochter muß sich ihrem brutalen Ehemann fügen in dieser patriarchalischen Kultur. Mit Annaimal und Poona hätten wir 2 Frauen, die intensive Pflege brauchen. Auch unsere Frauen werden älter und demnächst mehr Betreuung benötigen. Das heißt, mein von Anfang an geplantes Hospiz rückt näher. Ein passendes Haus steht schon bereit. Es ist wie unser erstes Haus vom Shanthimalai Ashram gespendet, liegt ca. 1 km in den Feldern hinter unserem Om Shanthi Witwenhaus und müßte renoviert , sowie Toiletten und Waschräumen angebaut werden. Das ist unsere neue Vision und wird sich realisieren, wenn wir mehr schwere Pflegefälle haben und Eure Spenden weiterhin so fließen. Bis dahin versorgen wir alle Frauen in Om Shanthi Old Age Home mit Selvi unserer zusätzlichen Kraft, die eigentlich auf Anweisung der Regierung als Nachtwächterin engagiert wurde, sich aber total gut als Pflegerin eignet.

Wir haben jetzt 6 alleinstehende, wunderbare Frauen (verwitwet, geschieden oder verlassen), die Tag und Nacht rund um die Uhr im Haus die Witwen betreuen. Nur Kodimalli unsere Chefin war immer schon so selbstbewußt und emanzipiert, dass sie als Ehefrau für keinen Mann in Frage kam. Welch Glück für uns, denn bei uns ist sie am richtigen Platz.
Unser Programm für die jungen Witwen läuft auch gut. Wir bemühen uns gerade sehr, die von ihnen handgewebten Stoffe und Perlenarmbänder zu verkaufen. Die Perlenarbeiten werde ich mitbringen und auch handgewebte Reisemeditiationskissenbezüge, die dann selbst gefüllt werden können.

Jetzt grüße ich Euch alle aus meinem diesjährigen Urlaubsdomizil in Tiru, wo alle Arbeiten dieses Jahr schon gemacht sind und ich dieses Jahr die Früchte ernten darf. Vielleicht habt Ihr ja Lust zu kommen, wie dieses Jahr Monika, Bettina, Marianna und noch einige mehr? Wir würden uns alle sehr freuen, Euch hier mit den Witwen überwintern zu helfen, Euch alles zu zeigen und Euren Aufenthalt angenehm zu gestalten. Arunachala grüßt Euch ebenfalls!
Indien ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, hat aber seinen Zauber (ohne Gewähr – auf eigenes Risiko!)
Ich grüße Euch von ganzem Herzen und danke Euch immer wieder für Eure Teilnahme, Eure Unterstützung und Eure lieben Spenden!

Arunachalam!
Anna/Annelie